Karneval

Die “fünfte Jahreszeit” im Kölner Karnevalsmuseum

Die Ursprünge des Kölner Karnevals mögen bis in die Antike zurückreichen. Tatsache ist, daß erst seit 1823 “ordentlich” gefeiert wird. Damals gründeten einige Honoratioren der Stadt, Mitglieder der “Olympischen Gesellschaft” – u.a. Ferdinand Franz Wallraf und Heinrich von Wittgenstein – das “Festordnende Komitee”. Das chaotische Treiben der Narren sollte fortan in geordneten Bahnen ablaufen. Zum Höhepunkt der Session wurde der Maskenzug am Rosenmontag. Garant der Ordnung war der “Held Karneval” – Vorgänger des Prinzen, der gekürt wurde, nachdem auch der Kölsche Fastelovend in der wilhelminischen Zeit kaisertreu geworden war. Für den Rosenmontagszug reichte damals der Neumarkt aus; heute ist der Zug sieben Kilometer lang und rollt über drei Stunden lang durch die Kölner Innenstadt.

Aus einem romantischen Fest ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden. Eine Studie des renommierten McKinsey-Instituts errechnete jüngst, daß der “Kölsche Fastelovend” rund 3.000 Arbeitsplätze sichert und der Kölner Wirtschaft einen Gesamtnutzen von 500 Millionen DM beschert. Der Kölner Karneval ist eine ernste Angelegenheit, und es wird hart für ihn gearbeitet. Er ist nicht nur ein Saisongeschäft, das sich auf die “Fünfte Jahreszeit” (vom “Elften im Elften” bis Aschermittwoch) beschränkt, sondern Lebensinhalt für tausende “Jecken”. Allein hundert Gesellschaften sind Mitglied des Festkomitees. Diese sind das ganze Jahr über aktiv. “Einmal Prinz zu sein” – das ist wohl der Traum jedes Karnevalisten.

Nicht nur für organisierte Karnevalisten interessant ist das Kölner Karnevals-Museum. Das Museum verfügt über einen Fundus von 16.000 Karnevalskostümen. Sie werden von den Aktiven getragen und kommen nach jeder Session geflickt und gereinigt zurück.

Schon zur Römerzeit wurde am Jahresende der Gott Saturn gefeiert. Während der “Saturnalien” bewirteten die Freien die Sklaven. Zu Ehren der Göttin Isis wurde ein Schiffswagen durch die Straßen gezogen; ob sich von diesem “Carrus navalis” das Wort Karneval ableitet, ist aber fraglich.

Später wurde aus dem heidnischen Kult ein christliches Fest. Wichtiger als der Rosenmontag war der vorausgehende Sonntag “Laetare” (“Freut euch!”), an dem das bereits nach dem Ende der Weihnachtszeit begonnene strenge Fasten und Büßen einen Tag unterbrochen wurde und man fröhlich feiern durfte. Das Wort Karneval hat wahrscheinlich in “carne vale” (“Fleisch adé!”) seinen Ursprung.

Aus dem Fest der Winteraustreibung wurde der “Vastavent” (von dem das kölsche Wort “Fastelovend” ableitet), der Tag vor dem Beginn der vorösterlichen Askese. Auch damals galt also schon: Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Das ausgelassene “Mommen und Trommen” machte auch vor den Klöstern und Stiften nicht halt. Mönche und Nonnen feierten sogar bereits eine Woche vorher, nämlich an Weiberfastnacht; zur “Pfaffenfastnacht” wählte man sogar einen Narrenbischof.

Im bürgerlichen Zeitalter, das in Köln 1794 mit dem Einmarsch der Franzosen begann, wurde der Karneval zunächst einmal abgeschafft, galt er doch als Relikt des “Ancièn Regime”. Als das Karnevalsverbot zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder aufgehoben wurde, geriet das tolle Treiben außer Rand und Band. Es fehlte ein Regulativ, denn die traditionellen Träger des Festes – Patrizier, Zünfte und Kirche – waren verschwunden bzw. hatten ihren Einfluß verloren.

Dies führte zur Wiedergeburt des Kölschen Fasteleer aus dem Geiste der Romantik: als “volkstümliches” Fest, das von einem Komitee minutiös geplant wurde. Das älteste schriftliche Dokument, das das Kölner Karnevalsmuseum aus dieser Zeit besitzt, ist das “Protokollbuch des Festordnenden Comitees” von 1827.

Auf den Versammlungen der (ausschließlich männlichen) Komiteemitglieder wurden auch schon bald die ersten Orden verliehen – als Parodie auf die Ordensflut der deutschen Kleinstaaterei und des Militärs, aber dennoch als Belohnung ernstgemeint. Die erste Kölner Ordensmedaille stammt aus dem Jahre 1838. Ein Exemplar davon gehört zu den schönsten Schaustücken des Museums. Die Goldmedaille trägt die Aufschrift: “Weisheit im Narrenkleid bringt uns die goldne Zeit”. Von liberaler Gesinnung zeugt die Kölsche Narrenkappe, die “Fastelovendsmötz”: “Gleiche Brüder, gleiche Kappen!” war die Forderung. Die Gesellschaftsmütze wurde bereits 1827 erfunden.

Das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau (statt Prinz und Prinzessin, wie z. B. in Düsseldorf) ist eine kölsche Erfindung. Auch dies wird im großen Ausstellungsraum ausführlich dokumentiert. Das “Trifolium”, das während der gesamten Session stets gemeinsam auftritt, gibt es erst seit 1883.

Als Symbolfiguren vergangener reichsstädtischer Freiheit wurden Bauer und Jungfrau bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Rosenmontagszug eingruppiert, doch bis zum Kaiserreich führte der Held Karneval das alleinige Regiment.

Das Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V. versteht sich als “Gesamt-Interessenvertretung des Kölner Karnevals”. Tatsächlich vertritt es jedoch nur die Interessen seiner Mitglieder. Dementsprechend findet sich auch im Karnevalsmuseum nichts über den “inoffiziellen” Karneval, der in den letzten Jahren durch Veranstaltungen wie die Stunksitzung und den Geisterzug gerade die jüngere Generation wieder anspricht. Diese kehrt der offiziellen Brauchtumspflege in der Mehrzahl den Rücken, feiert aber begeistert den Straßen- und Kneipenkarneval und bereicherte das Fest um den Ritus der “Nubbelverbrennung”.

Längst gilt nicht mehr, was Wolfgang Niedecken 1981 in einem Song der Gruppe BAP sang: “Nit för Kooche bleev ich Karneval he”, denn es gibt inzwischen für jeden Jeck eine Alternative zu Sitzungen, Bällen und Rosenmontagszug. Daß auch das Karnevalsmuseum diese erneute Reform des Karnevals eines Tages würdigen wird, bleibt zu hoffen.


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Bei diesem unterhaltsamen Altstadtbummel erfahren Sie alles über den Ursprung und die Bedeutung des „Fastelovend“.

Max. 25 Personen

Dauer: ca. 1,5 Std.

Treffpunkt: Heinzelmännchenbrunnen, Am Hof

Gruppenpreis: € 175,-

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