Körperkunst in der Krise – Tattoos bald nur noch in Schwarz, Weiß und Grau?

Wie in vielen anderen Großstädten sind auch in Köln sowohl die Besitzer bekannter und beliebter Tattoo-Studios als auch ihre Kunden besorgt über das neue Pigmentverbot, das ab 2022 gilt. Bunte Tattoo-Farben dürfen dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verwendet werden. Lediglich Schwarz, Weiß und Grau sind noch regelkonform. Doch was steckt hinter dem Verbot und welche Branchen sind sonst noch betroffen?

Hintergrund für das Verbot ist eine EU-Richtlinie

Die EU-Richtlinie, die für das aktuelle Verbot zuständig ist, gibt es schon seit 2007. Die REACH-Verordnung und die notwendige REACH Registrierung der gefährlichen chemischen Stoffe gilt aber nicht speziell für Tattoo-Farben, sondern für alle chemischen Stoffe, die sich in Produkten befinden. Betroffen sind nicht nur die Hersteller, sondern in der Folge auch die Tattoo-Studios und Kunden.

Nicht nur die Tattoo-Branche ist betroffen

Neben den Herstellern der Tätowier-Farben sind auch viele weitere Branchen von den strengen Verordnungen betroffen. Gefährliche Chemikalien, die bei der REACH-Registrierung angegeben werden müssen, können nämlich auch in allen anderen Farben oder Lacken und in Reinigungsmitteln enthalten sein. Dazu kommen Anteile von Chemikalien in Bekleidung, verschiedenen Möbeln und selbst in Elektrogeräten. Aufgrund der enormen Bandbreite der betroffenen Gegenstände und Waren, sind EU-weit sehr viele Firmen betroffen.

Das steckt hinter der REACH-Verordnung

REACH steht für “Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals” und erfordert von allen Unternehmen eine Risikobewertung ihrer Produkte und deren Risiken, bevor diese in Verkehr gebracht werden. Dies wird über die REACH-Registrierung abgewickelt.

Alle Unternehmen müssen gegenüber der ECHA (European Chemistry Agency) in der besagten Registrierung die Inhaltsstoffe ihrer Produkte aufzeigen. Sie müssen außerdem angeben, wie man Risiken, die von ihnen ausgehen, begegnen kann. Sind die Risiken nicht beherrschbar, kann die Verwendung eingeschränkt oder verboten werden und die Unternehmen müssen auf andere Stoffe ausweichen, die weniger gefährlich sind.

Welche Gefahren bergen die Farbpigmente?

Die Farben gelten vor allem deshalb als bedenklich, weil sie Allergien auslösen oder Entzündungen verursachen können. Sie stehen sogar im Verdacht, krebserregend zu sein.

Betroffen sind hier beispielsweise leuchtende Azofarbstoffe, die durch UV-Sonnenlicht krebserregende „Spaltprodukte“ bilden können oder Rußpartikel in schwarzen Farben, die polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten. Auch einige dieser PAKS sind krebserregend. Hinzu kommen Schadstoffe wie Schwermetalle oder Konservierungsmittel.

Tätowierer und Dermatologen vertreten unterschiedliche Standpunkte

Die REACH-Verordnung verbietet ab Januar 2022 zunächst diese Konservierungs- und Bindemittel und verschärft ab 2023 die Beschränkungen, wenn noch weitere Pigmente wie Blue15 oder Green7 verboten werden sollen.

Tätowierer sind skeptisch und weisen darauf hin, dass Entzündungen eher durch eine mangelnde Pflege oder Hygiene der tätowierten Haut entstehen können. Praktizierende Dermatologen sehen jedoch durchaus ein großes Allergie-Risiko bei den teilweise nicht durch klinische Studien erprobten Farben.

Werden bunte Tattoos für immer verschwinden?

Da die Anforderungen an verträgliche Inhaltsstoffe hoch sind, ist die Neuentwicklung von passenden Farben etwas schwieriger und zeitaufwendiger. Dennoch haben die Produzenten bereits Alternativen ins Auge gefasst, die schnellstmöglich auf den Markt kommen sollen.

Während der kurzen Durststrecke können Liebhaber von Tattoos auf verschiedene Stilrichtungen ausweichen, die sich mit den erlaubten Farben kreativ umsetzen lassen.