Museen in und um Köln


Städtische Galerie Villa Zanders

Die Galerie der Stadt Bergisch Gladbach wurde 1991 in einem herrschaftlichen Villenbau der Gründerzeit eingerichtet. Das repräsentative Gebäude im Herzen der Stadt diente früher als Wohnhaus der Famile Zanders; die Witwe des Papierfabrikanten Carl Richard Zanders, Maria Zanders, ließ es 1873-74 errichten.
Im Erdgeschoß ist eine "kommunale Galerie" eingerichtet worden. Im historischen Ambiente der großbürgerlichen Salons werden überwiegend Gemälde des 19. Jahrhunderts gezeigt. Neben Alpenlandschaften des Gladbachers Johann Wilhelm Lindlar (1816-1896) sind auch spätromantische Landschaften des Heidelberger Malers Carl Ludwig Fahrbach (1835-1902) zu sehen. Beide Maler gehörten der Düsseldorfer Schule an. Typisch für die bürgerliche Kultur der jungen Industriestadt am Ausgang des 19. Jahrhunderts sind auch die Gemälde der Industriellengattin Maria Zanders und Catharina Fischbach, der Ehefrau des Richters Peter Fischbach.. Es gehörte zum guten Ton der feinen Gesellschaft, daß die Damen sich den schönen Künsten widmeten, während die Herren sich ums Geschäft kümmerten.
Von lokalhistorischer Bedeutung ist auch der Maler Walter Lindgens (1893-1978), zumindest was seine eigenen Werke (rund 3.000 Stück) angeht. Der Kölner Künstler stiftete sie 1973 zusammen mit seiner umfangreichen Kunstsammlung der Stadt Bergisch Gladbach. Diese Kollektion ist allerdings sehenswert: graphische Blätter und illustrierte Bücher von Heckel, Barlach, Campendonk, Dix, Felixmüller, Kubin und vielen anderen, vorzugsweise expressionistischen Künstlern. Auch Papierarbeiten von Peter Herkenrath, Gerhard Marcks und anderen rheinischen Künstlern der Nachkriegszeit gehören zur Stiftung Lindgens, die den Grundstein zum Aufbau der städtischen Galerie legte.

Um die doch etwas zu museal wirkenden Repräsentationsräume optisch zu beleben, wird neuerdings zeitgenössischen Künstlern zweimal im Jahr Gelegenheit gegeben, dort ihre eigenen "Salonstücke" vorzustellen. So schuf z. B. Klaus Schmitt (Jg. 1955), ein Meisterschüler von Günther Uecker, im Frühjahr 1995 eine eigens für die Villa Zanders konzipierte Rauminstallation ("Ohne Titel", 1995). Der ästhetische Kontrast zwischen der recht sperrigen Konstruktion aus Dachlatten und matt gestrichenem Kistenholz und der Stuckdecke, dem Marmorkamin und den Ölgemälden konnte kaum größer sein, und die "Störung" der gediegenen Salonatmosphäre war durchaus erwünscht.

Das 1. Obergeschoß der Villa steht für Wechselausstellungen europäischer und internationaler Kunst zur Verfügung. So zeigte man beispielsweise von April bis Juni 1995 aus Anlaß des 75. Geburtstages von Gottfried Böhm die Ausstellung "Bauten im Rheinland" mit Fotos und Entwürfen dieses bedeutenden Architekten, der alleine in Bergisch Gladbach vier Gebäude entworfen hat, darunter das der Villa Zanders gegenüberliegende Bürgerhaus "Bergischer Löwe".

In der 2. Etage wird ausschließlich Kunst der Gegenwart gezeigt, wobei, der Geschichte des Hauses und der Stadt angemessen, ausschließlich "Papier als künstlerisches Medium" gesammelt und ausgestellt wird. Die seit 1985 im Aufbau befindliche Sammlung beinhaltet mittlerweile ca. 150 Arbeiten von rund 100 Künstlern aus aller Welt. Zu den illustren Namen der Künstler, deren Werke in wechselnder Auswahl vorgestellt werden, zählen u.a. John Cage, Christo, Eduardo Chillida, Felix Droese, Raimund Girke, Jíri Kolar, Kenneth Noland, Mimmo Rotella, Günther Uecker und Wolf Vostell. Auch viele weniger bekannte Künstler sind vertreten. Gesammelt werden grundsätzlich nur solche Arbeiten, bei denen Papier als Material und Gestaltungsmittel und nicht nur als bloßer Bildträger (etwa für Aquarelle, Zeichnungen oder Druckgraphik) verwendet wird. Das Faszinierende an diesem Werkstoff ist sein Reichtum an Gestaltungsmöglichkeiten: es läßt sich schneiden, reißen, färben, formen, prägen, kleben, anbrennen, aufrollen, falzen, zerknüllen und natürlich auch bedrucken, beschreiben oder bemalen - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. So reicht das Spektrum der Sammlung von Collagen und Décollagen (Plakatabrissen) über Reliefs und Skulpturen bis hin zu Rauminstallationen.

Die Städtische Galerie beherbergt außerdem eine Artothek mit über 500 Original- Graphiken zur deutschen Nachkriegskunst; sie befindet sich im dritten Obergeschoß. Für nur DM 5,- pro Blatt kann man bis zu zwei Kunstwerke drei Monate lang ausleihen; von diesem Angebot wird reichlich Gebrauch gemacht. Die Ausleihe ist jeden ersten, zweiten und dritten Donnerstag im Monat von 17 bis 19 Uhr geöffnet.
Auch ansonsten hat sich die Villa mittlerweile zum Kulturzentrum der Stadt entwickelt: regelmäßig finden Konzerte mit zeitgenössischer Musik statt.

Die Städtische Galerie ist täglich außer Montag von 11 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18.30 Uhr geöffnet.

Städtische Galerie Villa Zanders

aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval - was Museen in und um Köln zeigen. J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

Copyright © by J.P. Bachem Verlag


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