Museen in und um Köln


Rheinisches Industriebahn-Museum e.V.

Angeblich geben die meisten kleinen Jungen als Berufswunsch Lokomotivführer an. Einige der (erwachsenen) Mitglieder des Museumsvereins Rheinisches Industriebahn-Museum e. V. (RIM) haben tatsächlich einen Lokführerschein. Den brauchen sie auch, um sich ihren Jugendtraum erfüllen zu können. Ihr handwerkliches Geschick geht weit über das der normalen Hobby-Eisenbahner hinaus. Der Umgang mit Schraubenschlüssel und Schweißbrenner ist für die Vereinsmitglieder genauso selbstverständlich wie der Gebrauch von Schraubenzieher und Lötkolben bei den "Kollegen", die im heimischen Hobbykeller ihre Modelleisenbahn in Spur HO oder N pflegen. Ein veritables Eisenbahndepot ist als Reparaturwerkstatt gerade groß genug.

Damit man mit den großen Loks und Wagen "spielen" kann, müssen sie in der Regel erst einmal in Stand gesetzt werden. So manches Schmuckstück rostete jahrelang auf Kinderspielplätzen vor sich hin oder war schon zur Verschrottung vorgesehen. Zum Beispiel diente ein Schienenbus der BAYER-Werke, der einst zwischen Mülheim, Köln und Leverkusen pendelte, eine zeitlang als Gartenhäuschen. Ein ähnliches Schicksal wäre wohl auch dem Triebwagen der (nicht mehr existierenden) Köln-Bonner Eisenbahnen oder dem letzten noch vorhandenen Kunststoffschienenbus (Baujahr 1962) der Deutschen Bundesbahn beschieden gewesen, hätten sich nicht die Mitglieder des RIM ihrer erbarmt. Nicht nur die Freude an der Technik verbindet die Vereinsmitglieder. Das Museum bewahrt auch die Erinnerung an vergessene oder verdrängte Kapitel der deutschen Eisenbahngeschichte. In einem grünlackierten, hölzernen Waggon der Deutschen Reichsbahn mit der nichtssagenden Aufschrift "G10" wurden in den 40er Jahren Menschen ins Konzentrationslager deportiert. Eine Schmalspurlock aus dem Jahre 1937 benutzte man nach dem Kriegsende, um die Trümmer aus dem Kölner Dom zu räumen. Auch ein mit dem Union Jack bemalter britischer Lazarett-Waggon (30 Betten) aus dem Zweiten Weltkrieg ist ausgestellt.

Das Sammeln von echten Eisenbahnen ist ein teures Hobby. Bei den Kosten fällt der Erwerb der Bahnen weniger ins Gewicht als die Instandsetzung, Wartung und Unterbringung. Denn in der Regel waren die Vorbesitzer froh, die ausgemusterten Fahrzeuge loszuwerden, und so sind die meisten Fahrzeuge entweder verschenkt oder für eine symbolische Mark verkauft worden. Der größte Teil der etwa 70 Loks und Waggons gehört den Vereinsmitgliedern privat; nur wenige sind im Besitz des Vereins. Die heruntergekommenen Hallen des alten Betriebsbahnhofs Köln-Nippes haben den Charme stillgelegter Industriewerkstätten. Das paßt gut zum Museum, das 1987 zu dem Zweck gegründet wurde, ausrangierte Werksbahnen und andere Schienenfahrzeuge der Nachwelt zu erhalten und möglichst in betriebsfähigen Zustand zu bringen. Doch hat die räumliche Situation auch viele Nachteile. Es regnet in die unbeheizbaren Hallen hinein, und die Tore des abgelegenen Lokschuppens - am Rande des Gewerbegebiets Bilderstöckchen - lassen sich schlecht gegen Einbrecher sichern, so daß die Eisenbahnfans nicht nur gegen den Rost, sondern auch gegen Vandalismus ankämpfen müssen.

Besuchern des Rheinischen Industriebahn-Museums ist auf jeden Fall zu empfehlen, kräftiges Schuhwerk - am besten Gummistiefel - und warme Kleidung anzuziehen, bevor sie sich auf den Weg machen. Auch eine Taschenlampe sollte zur Expeditionsausrüstung gehören, und vor allem ein guter Stadtplan. Die Autoren scheiterten beim ersten Versuch, das Museum zu finden. Selbst ein herbeigerufener Taxifahrer konnte es nicht entdecken, denn der Taxi-Zentrale war es völlig unbekannt. Kein Schild weist darauf hin. Beim zweiten Anlauf gelang es schließlich: Wir bestiegen die Böschung hinter dem ALDI-Parkplatz (am besten erreichbar über den Treppenaufgang an der rechten Straßenseite in der Bahnunterführung Longericher Straße) und überquerten auf dem Bahndamm mehrere von Unkraut überwucherte Abstellgleise. Nach einigem Suchen fanden wir schließlich den Eingang zu den Betriebshallen der Deutschen Bahn AG im Stadtteil Longerich, von denen drei seit 1991 vom RIM als Ausstellungsraum und Werkstatt genutzt werden. In den übrigen Hallen sind die Fahrzeuge des "Feuerwehr-Museumsvereins Köln" und die Waggons der "Rheingold-Freunde" abgestellt (sofern sie nicht gerade unterwegs sind).

Das Museum hat keine festen Öffnungszeiten. Dafür veranstaltet es zu Ostern oder Pfingsten einen Tag der Offenen Tür. Dann verwandelt sich das Betriebsgelände in einen Abenteuerspielplatz. Über einen an diesen Tagen eigens ausgelegten Schienenstrang von 200 Meter Länge werden die Besucher - meistens Familien mit Kindern - mit einer kleinen Feldbahn in die Hallen kutschiert. Führungen werden angeboten, und Groß und Klein dürfen auf den sechs Schienenfahrrädern durch die Ausstellungshalle radeln. Auch eine Nikolausfeier wird jedes Jahr veranstaltet. Welches Kind kann schon erleben, daß der heilige Mann mit der Eisenbahn ankommt? Bei diesen Veranstaltungen ist der Weg zum Museum übrigens ausgeschildert. Eine zusätzliche Einnahmequelle für die Vereinskasse sind Veranstaltungen "außer Haus". Das RIM besitzt einen sechs Kilometer langen Schienenstrang, auf dem eine Feldbahn fahren kann. Bei vielen Straßenfesten und Jahrmärkten ist diese transportable Bahnstrecke schon zum Einsatz gekommen.

Offizielle Homepage des Rheinischen Industriebahn-Museums

Gekürzter Text aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval - was Museen in und um Köln zeigen. J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

Copyright © by J.P. Bachem Verlag


Busse und Bahnen im Kölner und Eifeler Raum
Verzeichnis der Museen in Köln und Umgebung