Museen in und um Köln


Museum Kölner Karnevalsorden



Nur wenige Meter vom Alter Markt und vom Willi-Ostermann-Platz entfernt, also mitten im Zentrum des Kölner Straßenkarnevals, befindet sich das Museum Kölner Karnevalsorden. Den Auslagen in den Schaufenstern sieht man nicht an, welche Schätze sich in den drei Ausstellungsräumen befinden. Hans-Jürgen Knopek ist als Mitglied von drei Karnevalsvereinen Insider der Szene. So steht denn auch mitten im ehemaligen Ladenlokal die lebensgroße Nachbildung des Kölner Dreigestirns mit den Original-Kostümen. (Knopek ist u.a. aktives Mitglied der Nippeser Bürgerwehr, die in der Session 1993/94 das Dreigestirn stellte.)

1971 eröffnete der gebürtige Franke am Alter Markt eine Münzhandlung. Seit 1991 betreibt er zusätzlich das Karnevalsorden-Museum. Mittlerweile hat Knopek rund 10.000 Orden zusammengetragen. In der gediegenen und behaglichen Atmosphäre der holzvertäfelten Ausstellungsräume sind fast alle Orden versammelt, die die dem Festkomitee angeschlossenen Karnevalsgesellschaften seit 1945 verliehen haben. Hinzu kommen unzählige Raritäten aus der Zeit davor. Besonders stolz ist der Sammler auf die goldene Medaille vom "Festordnenden Komitee" aus dem Jahre1838, dem ersten Kölner Karnevalsorden überhaupt. Es war das Kölner Bildungsbürgertum, das den organisierten Karneval als romantisches Fest feiern wollte. So zeigt die Medaille den "Held Karneval" - erst nach der Reichsgründung 1871 verwandelte sich der närrische Regent zum Prinzen - mit dem griechischen Gott Chronos/Saturn, einem geflügelten Weinglas und einem Memento Mori. Heute würde eine solche Allegorie nicht mehr verstanden, und so war der von Knopek kürzlich entworfenen Karnevals-Gedenkmünze mit diesem historischen Motiv kein großer Erfolg beschieden.

Nimmt man sich etwas Zeit, um die Orden zu betrachten, so entdeckt man immer wieder Überraschendes. Man muß kein "Fastelovendsjeck" sein, um Spaß am Studium der phantasievoll gestalteten Orden zu haben. Die Karnevalsorden sind ein Spiegel der deutschen Zeitgeschichte und Kölner Lokalhistorie. Als im Spätherbst 1909 das erste deutsche Luftschiff-Manöver über Köln stattfindet und sogar die "fliegende Zigarre" des Grafen Zeppelin in Köln landet, drückt sich die allgemeine Begeisterung für die Luftfahrt auch in der Gestaltung der Karnevalsorden der Session aus. Flugzeuge und Zeppeline erscheinen über dem Rheinpanorama, und noch 1955 ziert den Orden Sr. Tollität Luftflotte ein Luftschiff. 1961 enthält der Orden der Lyskirchener Junge zwei echte 1-DM-Münzen, getreu dem Motto der "Weetschaftswunderkinder". Der Zeitgeist der Fünfziger Jahre kommt in den Orden des WDR zum tragen; die Rundfunkanstalt veranstaltete damals eigene Karnevalssitzungen und verlieh dabei Orden im Nierentisch-Stil. Die Orden wurden früher in kleiner Auflage gefertigt und bestanden aus edlen Materialien wie Gold oder Silber, oft mit Email-Intarsien hinterlegt. Sie wurden damals wirklich noch als Ehrenzeichen verliehen, während die heutigen Orden - teilweise den historischen Orden "abgekupfert" - in Tausender-Auflage fabriziert werden und in der Regel nur für angemessene Geldspenden an die Vereinskasse an die Sponsoren verliehen werden. Es fällt auch auf, daß viele neuere Orden mehr Prunk als Witz und Phantasie enthalten. Natürlich gibt es auch da Ausnahnmen. So der in den Sechziger Jahren von dem Bildhauer Karl Burgeff gestaltete "Kallendresser-Orden" oder zahlreiche nützliche Orden, die man auch als Aschenbecher, Parfumflaschenhalter, Briefbeschwerer oder Taschenspiegel gebrauchen kann. Derartige Kuriosa gab es auch schon früher. Hervorzuheben ist z. B. der Orden der KG Greesberger von 1913. Er zeigt, aus einem floralen Jugendstil-Ornament emporwachsend, Harlekin und Kolombine einander "bützend" als Umrahmung für ein (noch funktionstüchtiges) "Liebesthermometer". Witzig ist auch der "Guillotinen-Orden" in Gestalt des "Platzjabbeck", der 1914 von der Großen Kölner verliehen wurde und den man als Zigarrenabschneider benutzen kann.

Von vielen seiner Orden besitzt Hans-Jürgen Knopek Doubletten. Diese werden verkauft. Auch Ankauf und Tausch ist möglich. Durch den Verkauf von doppelten Orden und originellen, handgefertigten Köln-Souvenirs kommt noch längst nicht genug Geld hinein, um die laufenden Kosten zu decken. So ist denn die Zukunft des Museums von den finanziellen Möglichkeiten des Münzhändlers und -Auktionators abhängig. Dennoch ist Knopek optimistisch und arbeitet sogar an einem Bestandskatalog mit farbigen Abbildungen aller Orden.

Das Museum ist montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.


Museum Kölner Karnevalsorden

  • H. J. Knopek GmbH
  • Unter Käster 12
  • 50667 Köln
  • Tel. (0221) 25 36 00
  • Fax (0221) 25 21 24

aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval - was Museen in und um Köln zeigen. J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

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