Museen in und um Köln


Städtisches Museum Leverkusen Schloß Morsbroich

MorsbroichSeit 1951 beherbergt das spätbarocke Wasserschloß Morsbroich ein Museum für zeitgenössische Kunst. Nach einer gründlichen Sanierung und Umbau nahm der Architekt Oswald Matthias Ungers vor konnte das Museum Morsbroich im Herbst 1985 wiedereröffnet werden. Die Lage des Museums ist wunderschön; in dem Park zwischen den Leverkusener Ortsteilen Alkenrath und Schlebusch ist nichts zu spüren von den Fabriken der nahegelegenen BAYER-Werke.

Betritt man den Schloßhof, so fällt als erstes die frei aufgestellte Außenskulptur des Schweizer Plastikers Max Bill auf; die schwarze Granitsäule wurde bei der Wiedereröffnung errichtet, um die Besucher auf das einzustimmen, was sie im Inneren erwartet. Auch der Brunnen in der Mitte der Schloßinsel ist mit einer modernen Skulptur ausgestattet; die abstrakte Bronzeplastik (Fontaine monumentale, 1951) stammt von der Argentinierin Alicia Penalba. Weitere Plastiken und Objekte begegnen einem, wenn man das Schloß umwandert. Besonders das kinetische Objekt mit 16 beweglichen Hohlspiegeln von Adolph Luther (Ohne Titel, 1969) fasziniert Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Spannend wird die Begegnung mit zeitgenössischer Skulptur auch in dem hinter dem Garten auf der Rückseite des Schlosses liegenden Teil des Parks, wo u.a. Objekte der Bildhauer Utz Kampmann, Arnold d'Altri und Erich Hauser auf einer leicht verwilderten Wiese aufgestellt sind. Der plätschernde Wasserfall des Baches, der den Burggraben speist, bildet dazu einen reizvollen Kontrast. In der Skulpturensammlung des Museums sind die wichtigsten Plastiker unserer Zeit vertreten, darunter sowohl Klassiker der Moderne als auch Zeitgenossen. Zu den Außenplastiken zählen der "Bock" (Gußeisen, Stahl 1973) von Heinz-Günther Prager und die vierteilige Eisenplastik "Ferro spezzato diagonale" (1974) des Italieners Giuseppe Spagnulo.

Im Inneren des Gebäudes sind auch die ehemaligen Repräsentationsräume des Vorbesitzers die Stadt Leverkusen erwarb das Schloß 1974 von der Fabrikantenfamile Diergardt öffentlich zugänglich. Das mit dunklem Eichenholz getäfelte "Jagdzimmer" kurz hinter dem Kassenraum enthält zwar noch den Gewehrschrank, dient aber heute als Ruhe und Leseraum. Über zwei Etagen erstreckt sich der ebenfalls vom Erdgeschoß aus zugängliche "Spiegelsaal". Über dem Eingangsbereich des mit Stuckelementen und einem riesigen Kronleuchter er wurde 1900 auf der Pariser Welt ausstellung erworben ausgestatteten Saales befindet sich eine Empore; sie wird als zusätzlicher Zuschauerraum bei den hier häufig stattfindenden Veranstaltungen genutzt, darunter viele Konzerte. Auch früher diente dieser Raum schon als Konzertsaal.
Die Ausstellungsräume sind dagegen neutral gehalten. Sie erstrecken sich über einen großen Teil des Erdgeschosses, des ersten Stockwerks und des Dachgeschosses. Auf allen drei Etagen finden regelmäßig Wechselausstellungen statt. Obwohl das Museum selbst über eine umfangreiche Sammlung verfügt, sind es oft Ausstellungen, die in Zusammenarbeit mit anderen Museen oder Kunstinstituten entstehen. So wurde z. B. 1994 eine Werkschau des Kölners Wolfgang Niedecken unter dem Titel "Pissjääl & Kackbrung" teilweise im Kölnischen Stadtmuseum und zum anderen Teil auf Schloß Morsbroich gezeigt. Ein weiteres Beispiel für eine solche Zusammenarbeit ist die von Juni bis September 1995 gezeigte Ausstellung des Bildhauers Alf Lechner "Arbeiten aus Stahl 1990-1995"; in Wuppertal, Duisburg, Marl und Essen wurde parallel dazu eben falls jeweils eine geschlossene Werkgruppe des Künstlers vorgestellt.

Der eigene Bestand enthält neben einigen Werken der Klassischen Moderne - Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter, Oskar Schlemmer und Otto Dix sind jeweils mit einem Gemälde vertreten vor allem Kunst von den 50er Jahren bis zur Gegenwart. Ein besonderer Akzent liegt dabei auf dem Informel (Karl Fred Dahmen, Emilio Vedova), der ZERO-Gruppe (Otto Piene, Günther Uecker), der Kinetischen Kunst, der Opart und der Analytischen Malerei (Gotthard Graubner, Ulrich Erben). Auch die Künstler des Nouveau Réalisme sind vertreten, ebenso monochrome Maler (Yves Klein, Lucio Fontana, Piero Manzoni). Auf dem Gebiet der Plastik liegt, korrespondierend zu diesen Kunstrichtungen, der Sammlungsschwerpunkt auf minimalistischen Konzepten und abstrakten Tendenzen. Bemerkenswert ist die ca. 3.000 Blatt umfassende Graphische Sammlung zeitgenössischer Künstler von internationalem Rang. Dazu gehören repräsentative Werkkomplexe von Georg Baselitz, Blinky Palermo, Gerhard Richter und anderen.

Daß der Umgang mit zeitgenössischer Kunst Spaß macht und spielerisch erlernt werden kann, beweisen die zahlreichen museumspädagogischen Aktivitäten, die sich besonders an junge Museumsbesucher richten: Es gibt ein "Kindermuseum", eine "Museumsschule" und sogar einen "Museumskindergarten". In den Sommerferien werden "Ferienspiele" angeboten, und auch Kindergeburtstage kann man hier feiern. Kreative Kurse für Familien, spezielle Führungen für Senioren und Frauen ergänzen das Programm.

Das Museum Morsbroich ist dienstags von 11 bis 21 Uhr, mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Städtisches Museum Leverkusen Schloß Morsbroich

aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval was Museen in und um Köln zeigen. J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

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