Museen in und um Köln


Museum für Ostasiatische Kunst


Hokusai Das Museum für Ostasiatische Kunst verdankt seine Entstehung dem Sammler-Ehepaar Adolf (1856-1914) und Frieda Fischer (1874- 1945). 1901 stiftete Professor Adolf Fischer seine erste Sammlung, die er auf einer Japan-Reise zusammengetragen hatte, dem Berliner Völkerkundemuseum. Damals war es noch üblich, die Kulturzeugnisse der asiatischen Hochkulturen unter bloß ethnologischen Aspekten zu betrachten. Die entsprechenden Sammlungen der Völkerkundemuseen dienten lediglich als Lehrmaterial über die Sitten und Bräuche exotischer, als mehr oder weniger "primitiv" betrachter Völker und verfolgten letzten Endes den Zweck, die Überlegenheit der christlich-abendländischen Zivilisation zu beweisen.

Das Ehepaar Fischer gehörte zu den ersten, die den ethnozentrischen Standpunkt verließen und die fernöstlichen Kulturen als der europäischen gleichwertig betrachteten. Der ersten Reise durch Ostasien folgten viele weitere - die Fischers verbrachten in ihrem Leben mehr Zeit in Schiffskabinen und Zugabteilen als zuhause -, und so reifte schon bald der Plan zur Gründung eines eigenständigen Museums für ostasiatische Kunst. Nachdem die Städte Berlin und Kiel, die zunächst als Standorte für das Museum vorgesehen waren, abgelehnt hatten, gelangte die inzwischen erheblich erweiterte Sammlung 1909 nach Köln. Vier Jahre später konnte das Museum am Hansaring eröffnet werden, gelegen direkt neben dem dreizehn Jahre zuvor eröffneten Kunstgewerbemuseum.

Seit 1977 hat das Museum für Ostasiatische Kunst sein Domizil in einem der schönsten modernen Bauten der Stadt Köln. Der japanische Star-Architekt Kunio Mayekawa, ein Schüler von Le Corbusier, entwarf das flache, eingeschossige Gebäude am Aachener Weiher. Der Weiher im Inneren Grüngürtel wurde eigens um ein Becken erweitert, das direkt an das teilweise mit japanischen Keramikfliesen verkleidete Gebäude angrenzt. Der beliebte Spazierweg um den Weiher führt an dieser Stelle über einen Holzsteg. Viele Spaziergänger legen in der Cafeteria des Museums, die auch außerhalb seiner Öffnungszeiten zugänglich ist, eine Rast ein. Sie nimmt auch die sich zum Wasser hin öffnende, überdachte Terrasse ein. In der Cafeteria kann man nicht nur Tee trinken, sondern auch den Ausblick auf den Aachener Weiher und die Stadtsilhouette genießen. Noch reizvoller ist der Blick in den Innengarten, der von dem japanischen Gartenkünstler und Bildhauer Masayuki Nagare mit den für den japanischen Garten typischen Elementen Felsen, Sand, Wasserlauf und Pflanzen gestaltet wurde. Man wähnt sich fast in fernöstlichen Gefilden und möchte den "Herbstmond über der Tauterrasse" (so der Titel einer Ausstellung im Jahre 1990/91) betrachten.

Betritt man das Museum vom Eingang an der Universitätsstraße her, öffnet sich vor einem zunächst das große Foyer. Wenn der 180 Sitzplätze fassende Vortragssaal einmal nicht ausreicht, werden die entsprechenden Veranstaltungen einfach hierhin verlagert. So zuletzt am 10. März 1995, als der langjährige Direktor des Museums, Professor Dr. Roger Goepper anläßlich seines 70. Geburtstages mit einem stilvoll durch japanische Musik umrahmten Festakt geehrt wurde. In seiner Amtszeit konnten viele Neuerwerbungen verzeichnet werden, die heute mit zu den schönsten und bedeutendsten Exponaten des Hauses gehören, darunter ein Sitzender Buddha (Marmor mit Resten der farbigen Fassung) aus der Zeit der Sui-Dynastie (561-618) und zahlreiche Hängerollen mit Landschaftsdarstellungen wie z. B. Shussan Shaka (Shakyamuni kommt aus den Bergen) aus der frühen Muromachi-Zeit (14. Jh.).

Eine sensationelle Entdeckung machte Goepper 1983, als bei der Restaurierung der Holzskulptur Der Bodhisattva Jizô (Kshitigarbha) aus der Werkstatt des Koên (1207-ca. 1285) im Inneren zahlreiche Weihegaben gefunden wurden, darunter Bronzefiguren, Holzminiaturen, Votivdrucke, Seidensäckchen mit Reliquien und eine chinesische gedruckte Version des Lotos-Sûtra in Leporello-Buchformat; die Weiheinschrift teilte sogar das Datum der Fertigstellung mit (1249).

Seit 1991 ist Dr. Adele Schlombs Direktorin des Museums. Von 1993 bis 1996 wurde das Museumsgebäude um neue Ausstellungsräume erweitert.

Das Museum für Ostasiatische Kunst ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr und mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Jeden Sonntag um 12 Uhr findet eine öffentliche Führung statt. Der Eintritt beträgt € 4,20, ermäßigt € 2,60. Dies gilt nicht für Sonderausstellungen, deren Eintrittspreise variieren.
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Museum für Ostasiatische Kunst

  • Universitätsstraße 100
  • 50674 Köln (Lindenthal)
  • Tel. (0221) 9 40 51 80
  • Fax (0221) 40 72 90
aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval - was Museen in und um Köln zeigen.
J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

© J.P. Bachem Verlag


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