Museen in und um Köln


Käthe Kollwitz MuseumKäthe Kollwitz Museumslogo

Käthe Kollwitz: Selbstportrait (c) VG Bild-Kunst
Käthe Kollwitz: Selbstportrait © VG Bild-Kunst
Wären da nicht die großen Fahnen, die von der Fassade der Neumarkt-Passage herabhängen, - man würde es nicht bemerken. Das Käthe Kollwitz Museum am Neumarkt stellt in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit innerhalb der Kölner Museumslandschaft dar. Zum einen wurde es von einem Geldinstitut, der Kreissparkasse Köln, gegründet; dann ist es das einzige Museum in Köln, das dem Werk einer einzigen Künstlerpersönlichkeit gewidmet ist; und nicht zuletzt präsentiert es sich dem Besucher in ungewöhnlichen Räumlichkeiten.

Durchquert man die Passage, vorbei an der sich über drei Etagen erstreckenden Buchhandlung zur einen und den schicken Bistros, Restaurants und Edelboutiquen zur anderen Seite, so gelangt man in einen riesigen, achteckigen Innenhof, der mit einem Wasserfall und Grünpflanzen garniert ist. Der staunende Besucher kann nun mit einem futuristisch wirkenden, gläsernen Aufzug durch die postmoderne Architektur der Passage schweben, bis er in der vierten Etage am Museumseingang angekommen ist. (Für Besucher, die unter Höhenangst leiden, gibt es allerdings auch noch einen Treppenaufgang!)

Von einem mit Ausstellungsplakaten dekorierten Umgang aus, der von einer Glaskuppel überwölbt wird, betritt man den Eingangsbereich des Museums. Weiße Wände und heller Parkettboden bestimmen die trotz der gedämpften Beleuchtung licht und luftig wirkenden Räumlichkeiten. Die angenehm ruhige Atmosphäre, die die Museumsarchitektur (Architekt: Schilling) ausstrahlt, ist dem intimen Charakter der hier ausgestellten Werke - meist kleinformatige Graphik und Zeichnungen - angemessen. Plastiken der Künstlerin sind den Graphiken thematisch zugeordnet; man hat sie locker über die Räume verteilt, die sich über zwei Etagen erstrecken. In dieser baulichen Form präsentiert sich das Museum seit der Fertigstellung der Neumarkt-Passage 1989 auf rund 1.000 Quadratmetern.

Seit dem 22. April 1985, dem 40. Todestag der Künstlerin, unterhält die Kreissparkasse das Käthe Kollwitz Museum; vor dem Umzug in die 1989 fertiggestellte Neumarkt-Passage war die Sammlung provisorisch auf der Vorstandsetage der Sparkasse untergebracht. 1983 war dem Museum Ludwig ein Konvolut von 60 Kollwitz-Arbeiten angeboten worden, doch die Stadt steckte in Finanznöten. So erwarb die Kreissparkasse Köln sie, um der Zersprengung der Kollektion oder ihrem Verkauf ins Ausland zuvorzukommen. Imagepflege und kulturelles Engagement gingen hier Hand in Hand, oder, wie es ein Vorstandsmitglied des Unternehmens ausdrückte: "Kultur-Sponsoring ist auch Wirtschaftsförderung." Inzwischen ist die Sammlung auf 300 druckgraphische Blätter, 170 Handzeichnungen und 15 Plastiken angewachsen, so daß man wohl von der größten Kollwitz-Sammlung der Welt sprechen kann.

"Ich will wirken in dieser Zeit." So lautet ein wichtiges Lebensmotto der Künstlerin, die sich der leichteren Verbreitung ihres engagierten Werkes wegen zeitlebens fast ausschließlich der Graphik und Zeichnung gewidmet hat, von den wenigen Plastiken einmal abgesehen.

Beginnend mit einer biographischen Bilddokumentation über Leben und Wirken von Käthe Kollwitz wird der Besucher im unteren Bereich des Museums zunächst chronologisch in das Werk eingeführt. Im Zentrum steht dabei der berühmte druckgraphische Zyklus Ein Weberaufstand nach dem Drama von Gerhart Hauptmann. Mit diesem aus drei Lithographien und drei Radierungen bestehenden Zyklus gelang der jungen Künstlerin 1898 auf der "Großen Berliner Kunstausstellung" der künstlerische Durchbruch. Aufgrund des sozialkritischen Inhalts der Folge verweigerte ihr Kaiser Wilhelm II. die Verleihung der "kleine Goldedaille", denn das "käme ja einer Herabwürdigung jeder hohen Auszeichnung gleich. Orden und Ehrenzeichen gehören auf die Brust verdienter Männer!" Umso mehr Beifall erhielt sie von den Sozialdemokraten.

Direkt im Anschluß an dieses Hauptwerk wandte sie sich der zweiten Graphikfolge zu, die den "Bauernkrieg" im 16. Jahrhundert zum Thema hatte; sie veröffentlichte sie 1908. Auch hier thematisiert sie menschliches und soziales Elend in einer eindringlichen Bildsprache: ein in der Kunst der Jahrhundertwende noch unübliches Thema.

Seltene Vorstudien für die einzelnen druckgraphischen Blätter erläutern den Werkprozeß und zeigen Käthe Kollwitz als virtuose, akademisch geschulte Künstlerin, die jedem Detail ihrer Arbeit höchste Aufmerksamkeit zukommen läßt.

Immer wieder wird die Untrennbarkeit zwischen Werk und Biographie deutlich: als Frau eines Kassenarztes in Berlin wird sie ständig mit sozialem Elend konfrontiert; als Peter, der jüngere ihrer beiden Söhne im Ersten Weltkrieg fällt, bekommen die Leitthemen ihres Werkes - Mutter, Kind und Tod - für sie einen erschütternden persönlichen Bezug.

Hervorzuheben sind auch die zahlreichen Selbstporträts, die in ihrer Ausdruckskraft oft mit denen Rembrandts verglichen werden. Unter dem Einfluß Ernst Barlachs beschäftigte sie sich seit 1919 mit der Technik des Holzschnitts. Wie virtuos sie auch diese Technik beherrschte, zeigt die Folge Krieg von 1923/24. Die überzeugte Pazifistin nimmt in diesen plakativ wirkenden Blättern Partei für die Opfer einer sinnlosen und unmenschlichen Kriegsmaschinerie. Diese Thematik wird einige Jahre später in der Plastik Turm der Mütter von 1937 und in dem späten Blatt Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden von 1942 wieder aufgegriffen.

Der Auseinandersetzung mit dem Tod ist eine eigene Raumsequenz gewidmet. Hier zeigt sich die ganze Bandbreite der künstlerischen Möglichkeiten von Käthe Kollwitz, von den frühen, symbolistisch inspirierten Arbeiten über das bekannte Grabrelief für die Familie Kollwitz von 1935/36 bis zur monumentalen Lithographienfolge von 1934, deren Blätter eine abgeklärte Auseinandersetzung mit dem Tod schildern.

In dieser Abteilung befindet sich auch die Plastik Pietà von 1937, deren Aufstellung in Form eines um ein Vielfaches vergrößerten Abgusses in der Gedenkstätte der Neuen Wache in Berlin, Unter den Linden, in jüngster Zeit kontrovers diskutiert wurde.

Den Themenbereichen "Mutter und Kind", "Akte und Liebesszenen", "Arbeitermilieu und Soziales" und der Plakatkunst sind jeweils eigene Abteilungen gewidmet.

In regelmäßigen Abständen werden Sonderausstellungen veranstaltet. So wurde zur Eröffnung der neuen Museumsräume 1989 die Kollwitz-Sammlung des Dresdner Kupferstichkabinetts erstmals in Westdeutschland gezeigt - ein kulturpolitisches Ereignis ersten Ranges! Ausstellungen zu Goya, Barlach, Hogarth, Moore und anderen, auch weniger bekannten Künstlern, folgten. Den Höhepunkt stellte bisher die große Sonderausstellung "Käthe Kollwitz - Meisterwerke der Zeichnung" im Frühjahr 1995 dar; anläßlich des 50. Todestages der Künstlerin wurden zehn Jahre nach Gründung des Museums rund 130 meisterliche Handzeichnungen aus internationalem Museums- und Privatbesitz gezeigt.

Das Käthe Kollwitz Museum ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt € 3,- / ermäßigt: € 1,50 .
(Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern fließen in die "Käthe Kollwitz Stiftung", die auf Initiative der Kreissparkasse die Restaurierung des "Rüdenhofs" in Moritzburg, des letzten Wohnsitzes der Künstlerin, betrieben hat. Dort ist im April 1995 eine Gedenkstätte eröffnet worden, zu deren Unterhalt die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern des Kölner Museums beitragen.)
Jeden Sonntag findet um 15 Uhr eine kostenlose öffentliche Führung statt.

Käthe Kollwitz Museum

  • Neumarkt 18-24 (Neumarkt-Passage)
  • 50667 Köln
  • Tel. (0221) 227-2363 und 227-2899
  • Fax (0221) 227-3762
  • eMail kollwitz@ksk-koeln.de
aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval - was Museen in und um Köln zeigen.
J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

Text: © 1995 J.P. Bachem Verlag


Offizielle Homepage des Käthe Kollwitz Museums
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