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Ein
Tesafilmstreifen ein Retter in der Not, aber bestenfalls
ein Notbehelf, kurzfristige, aber auch kurzweilige Stabilisierung,
Gedächtnisstützenbefestigung und Handwerkerersatz
für Michael Kampert ist er der kleinste Baustein eines künstlichen
Universums.
Ein gesamtes Esszimmer mit Tisch und Stühlen, Besteck, Service,
Kerzenleuchter und Vase in Originalgröße sind unter seinen
Händen aus dem dünnen Klebstoffträger entstanden,
der in seiner Einzelbeschaffenheit kaum noch zu erkennen ist. Durch
das tausendfache Überkleben der Streifen, die zusammengenommen
ein Strecke von 99 Kilometern bilden würden, erreicht das eigentlich
kraftlose Material eine unerwartete Stabilität und eine von
durchsichtig-weiß nach gelb changierende Farbigkeit, die Assoziationen
zu festen Substanzen wie Kunst-harz oder Wachs weckt.
Die Installation, die im Oktober 2003 erstmalig in der Galerie »EXIT
ART« in Köln zu sehen sein wird, ist das Ergebnis einer
vierjährigen Sisyphusarbeit, die eine Idee zur Wirklichkeit
werden ließ. Der gelernte Goldschmied Michael Kampert legt
in seinem Werk nicht zum ersten Mal den Focus auf den Aspekt der
mühevollen Handarbeit. Frühere Arbeiten, in denen er beispielsweise
freihändig seitenweise Millimeterpapier, die zusammen einen
Quadratmeter ergeben, nachzeichnete, zeugen von einer ähnlichen
Ideenverbissenheit und dem Humor, einen Gedanken ad absurdum zu
führen und die Zweckbestimmtheit der alltäglichen Lebenshilfen
zu negieren.
Michael Kampert ist fasziniert von Baustellensituationen und architektonischen
Elementen wie Stahlrohren und Steckverbindungen. Im Falle des Tesafilminterieurs
bemüht er sich, eine möglichst hohe Stabilität der
zumeist hohlen Gegenstände zu erreichen, überschreitet
aber an anderen Stellen auch bewußt die Grenze zur Materialermüdung.
Diese Spannung innerhalb des Kunstwerks zwischen Statik und Verfall
wird augenscheinlich in dem Wechselspiel zwischen Dichte und Transparenz,
welches in der Inszenierung durch Licht- und Schatteneffekte noch
verstärkt wird.
1500 Tesafilmrollen haben sich in einen Raum verwandelt, jeder Streifen
wurde von Kampert abgezogen und verarbeitet und diese Arbeit hat
ihre Spuren hinterlassen. Jeder der Bausteine ist gekennzeichnet
von den Fingerabdrücken des Künstlers, der somit selber
in seiner Arbeit wiederzufinden ist. Auch wenn die Datenspeicherung
auf Tesafilmstreifen noch Zukunftsmusik sein mag, ist dieser beinahe
philosophische Gedanken doch ein schönes Bild für die
enge Verwobenheit zwischen dem Schaffenden und dem Geschaffenen.
Heidi Irmer
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Fotos:
Claudia Heubach |
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