The Unofficial Guide to Creatures


3. Die Sache mit dem Grendel





Im Handbuch wird der Grendel als häßlicher Krankheitsträger mit bösartigen und destruktiven Neigungen beschrieben, von dem man seine Norns unbedingt fernhalten sollte. Ganz so schlimm ist er allerdings gar nicht und man muß nicht gleich in Panik geraten, wenn sich einer mal zufällig in den Garten oder die Küche verirrt.

Geboren werden die (übrigens ausschließlich männlichen) Grendels im Grendelbaum rechts hinter dem Garten. Normalerweise gibt es nur einen einzigen Grendel in ganz Albia. Erst etwa 20 Minuten nach dessen Ableben kommt aus dem grünen schlauchförmigen Gebilde im Grendelbaum ein gelb-schwarzes Ei, was herunterplumpst und auf dem Boden zerschellt. Solchermaßen lieblos in die Welt geworfen hat ein Grendel verständlicherweise nicht die allerbeste Laune und gibt ziemlich brummige, unfreundlich klingende Laute von sich. Er wird nun in der Regel erst einmal die nähere Umgebung erforschen, wo hinter dem Laub Käse, Honig und ein Ball versteckt sind. Wenn er davon genug hat, macht er sich mit dem Aufzug auf den Weg nach unten. Normalerweise steigt er schon bald in das Boot oder das U-Boot, das ihn zur Insel bringt, wo er, wenn Du es richtig anfängst, durchaus den ganzen Rest seines Lebens verbringen kann.

Eigentlich sind Grendels den Norns - mal abgesehen von ein paar Äußerlichkeiten - gar nicht so unähnlich: sie sind lernfähig, sie haben Hunger, sie können sich langweilen und an Vergiftungen eingehen. Der Hunger ist es auch, der sie irgendwann von der Insel treibt. D.h., ein gut gefütterter Grendel wird wahrscheinlich gar keinen Grund sehen, seinen gemütlichen Unterwasser-Beobachtungsposten zu verlassen. Da es auf der Insel keine Nahrung gibt (der Möhrenautomat kann ja nur über den Transporter erreicht werden), mußt Du dafür sorgen, daß dein Grendel immer satt ist. Gib ihm viel Honig. Den mag er besonders gerne und der Topf läßt sich problemlos jederzeit wieder auffüllen. Ab und an eine Möhre oder Zitrone bringt aber auch für den Grendel eine willkommene Abwechslung im Speiseplan. Gib ihm einen Ball zum Spielen, denn davon sind in Albia genug verteilt. Streichel ihn bei Deinen Besuchen. Du kannst ihm auch, genau wie Deinen Norns, das Sprechen beibringen. Am einfachsten geht das natürlich über den Sprachcomputer. Dazu müßtest Du ihn allerdings quer durch das Norngebiet lotsen. Also versuch es lieber so. Und natürlich kannst Du Deinem Grendel auch einen Namen geben. Den ersten Grendel, bei dem ich diese Methode angewendet habe, habe ich Smiley getauft, weil er mich voll Vorfreude auf die guten Dinge, die ich mitbrachte, immer mit einem breiten Grinsen begrüßt hat.

Das ist zugegebenermaßen alles recht umständlich, hat aber den Erfolg, daß auch Dein Grendel ein glückliches und zufriedenes Leben führen kann. Schließlich kann er ja nicht dafür, daß er als "fieser" grüner Grendel und nicht als süßer, knuddeliger Norn geboren wurde! Ein glücklicher und gut genährter Grendel ist zudem gesünder und kann so auch Deiner Norn-Population weniger schaden. Wenn ein solcher Grendel auf eine Schar gesunder, erwachsener Norns trifft, wird ihnen das gar nichts machen. Nur die Püffe, die Grendels verteilen, sind um einiges härter als bei den Norns. Deshalb sollte man darauf achten, daß ganz junge Norns dem Grendel möglichst nicht begegnen, denn diese kann er wirklich mit seinen Schlägen umbringen. Die meisten Norns gehen den kleinen grünen Monstern jedoch früher oder später von selber aus dem Weg. Allerdings habe ich auch schon eines meiner Norn-Weibchen dabei erwischt, wie es so einem Grendel-Mann ganz lange und verträumt in die Augen schaute. Welche dunkle Seite ihrer kleinen Norn-Psyche sich da wohl angesprochen fühlte???

Es gibt aber auch noch eine ganze Reihe anderer Methoden, sich des Grendels zu erwehren. Die besonders brutalen werden von mir jedoch nicht empfohlen, denn wenn Du überzeugt bist, daß Deine Norns richtige, kleine Lebewesen sind, dann muß das auf den Grendel doch wohl auch zutreffen. Oder?!
Die folgende Liste gibt nur einen Überblick und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

a) Weglaufen

Begibt sich Dein Norn in die Nähe eines Grendels, befiehl ihm einfach: "XYZ lauf!" Folgt er dem Befehl, belohne ihn gründlich.

Vorteil: Gewaltfrei. Durch Wiederholung lernt der Norn, daß man sich mit Grendels nicht abgeben sollte.

Nachteil: Manche Norns begreifen nicht, daß sich dieser Befehl nur auf Grendels bezieht, sondern laufen schließlich auch vor den eigenen Artgenossen davon und enden als bemitleidenswerte Neurotiker.

b) Vertreiben

Gerät Dein Grendel in die Nähe von Norns, hau ihn. Wenn er sprechen kann, versuch es mit dem Lauf-Befehl (s.o.)

Vorteil: Wenn Du Glück hast, lernt Dein Grendel dadurch, sich von den Norns auf die Dauer fernzuhalten.

Nachteil: Grendels sind relativ schmerzunempfindlich und extrem dickköpfig. Es kann durchaus passieren, daß Dein Grendel sich durch dieses Vorgehen nicht sonderlich beeindrucken läßt.

c) Schläger-Norns

Manch einer hat schon versucht, besonders aggressive Norns zu züchten, die von selber den Grendel attackieren. Ein paar Zuchterfolge gibt es auf diesem Gebiet auch bereits.

Vorteil: Es werden natürliche Verhaltensmuster genutzt.

Nachteil: Es ist relativ unwahrscheinlich, daß ein solcher Norn nur gegen Grendels aggressiv wird. Sehr wahrscheinlich wird er sich seinen Artgenossen gegenüber ähnlich unsozial verhalten.

d) Ablenken

Sowohl Norns als auch Grendels lassen sich mit Spielzeug oder Essen leicht ablenken und aus der "Gefahrenzone" weglocken. Bei beiden kann man, wenn sie sprechen können, auch den Komm-Befehl einsetzen.

Vorteil: Gewaltfrei.

Nachteil: Es gibt keinen Lerneffekt, der eine Wiederholung dieser Situation verhindert. Auch läßt sich diese Methode nur anwenden, wenn Norn und Grendel noch außer Sichtweite voneinander sind. Sonst rennen beide z.B. hinter dem Ball her und man hat genau das Gegenteil von dem erzielt, was man eigentlich wollte.

e) Vergiften

Das giftigste Gewächs in Albia ist der Fliegenpilz. Lock Deinen Grendel in den Keller, wo dieser wächst und bewege ihn dazu, davon zu fressen. Hat er mehrmals hineingebissen, so stirbt er.

Vorteil: Du bist den Grendel erstmal los.

Nachteil: Hast Du denn gar kein Gewissen, Du unmoralischer Mensch?! Da verurteilst Du einen armen, unschuldigen Grendel zum Tode, nur weil er vielleicht irgendwann einmal etwas tun KÖNNTE, was, selbst wenn er es denn täte, nicht einmal mit Vorsatz getan wäre? Damit würdest Du vor Gericht aber nicht durchkommen. Das ist eindeutig MORD! (Mal ganz davon abgesehen, daß Du 20 Minuten später sowieso wieder einen neuen Grendel hast.)

f) Norns "vom Fließband"

Geh in das Creatures-Unterverzeichnis "Genetics". Lösch die GREN.GEN-Datei (bzw. verschiebe sie lieber zur Sicherheit einfach in ein anderes Verzeichnis als Zwischenlager). Nimm eine beliebige DAD*.GEN- oder MUM*.GEN- Datei, kopiere diese und benenne die Kopie in GREN.GEN um. Sie tritt an die Stelle der ursprünglichen GREN.GEN-Datei. Dein Grendelbaum produziert nun Norns statt Grendels.

Vorteil: Der Grendel ist gewaltfrei aus dem Wege geräumt.

Nachteil: Du kriegst auf diese Art "Fließband"-Norns, die völlig identisch sind und sich natürlich mit Deinen anderen Norns auch paaren können. Dadurch wird Dein Genpool negativ beeinflußt.

Es gibt noch einige weitere Möglichkeiten, sich der Grendels zu erwehren. Dazu braucht man allerdings Zusatzprogramme wie das Christmas-Pack oder den COE von Alexander Lämmle. Deshalb werden diese Methoden auch erst in den entsprechenden Kapiteln zu diesen Add-ons beschrieben. Nur so viel sei schon verraten: Auch die Grendels haben sich inzwischen Freunde gemacht, so daß sich mancher ursprüngliche Norn-Züchter mittlerweile viel mehr mit den Grendels beschäftigt. Tatsächlich kann man sie ebenfalls züchten, denn es gibt auch Grendelweibchen (mit blonden Haaren und Rattenschwänzen). Man kann außerdem auf künstlichem Wege Kreuzungen zwischen Norns und Grendels erzielen und die Grendels durch einen kleinen Trick zu ebenso sanftmütigen Wesen werden lassen, wie die Norns es sind!



Yvonne Plum