Nun hat es mich also auch erwischt: mein Sohn kam aus der Schule im Eiltempo nach Hause, weil er mitbekommen hatte, daß bei Complay, dem Computerladen bei uns um die Ecke, gerade C2 angeliefert wurde . . . Naja, den Rest kann man sich ja denken. Den ganzen Nachmittag nix sinnvolles getan, sondern statt dessen Creatures 2 gespielt . . .
Natürlich habe ich mich erstmal auch an alle Regeln gehalten. Obwohl ich wußte, daß es einen Cheat gibt, habe ich ihn nicht angewendet, sondern versucht, das Spiel so zu benutzen, wie es sich die Konstrukteure wohl gedacht haben müssen. Meine ersten Erfahrungen:
Die Norns sind, nach C1, ausgesprochen gewöhnungsbedürftig. Sie weisen zwar gewisse Ähnlichkeiten mit ihren "Vorfahren" auf, wirken aber insgesamt glatter, nicht mehr so plüschig. Sie haben außerdem sehr viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten, was leider oft zu einer Art "Grimassenschneiden" führt, weil die Mimik unnatürlich schnell wechselt. Von einer größeren Intelligenz habe ich nichts gemerkt. Ganz im Gegenteil: meine ersten C2-Norns hatten noch mehr Probleme mit dem Fressen, als ich das von den C1-Norns ja bereits gewöhnt war. Auch was das Sprechenlernen angeht, haben sie sich als äußerst lahm erwiesen.
Die Ettins sind, wenn man sich erst an sie gewöhnt hat, recht nett, auch wenn sie ein bißchen dumm und wie Knetfiguren aussehen. Vor allem vertragen sie sich sowohl mit Norns als auch mit Grendels.
Die Grendels sind ausgesprochen häßlich, was zu einem Teil an ihrem komischen, eiförmigen Körper liegt. Sie sind jedoch auch in C2 längst nicht so aggressiv, wie Cyberlife uns glauben machen möchte. Man sollte sie jedoch, wie schon bei C1, von neugeborenen Kreaturen fernhalten, da sie diese durch ihre heftigen Knuffereien gewissermaßen "aus Versehen" umbringen können.
Da ich auf meiner Festplatte an die 400 C1-Norns liegen habe, wollte ich in den ersten Stunden noch nicht meine kostbaren C2-Eier aufs Spiel setzen. Also habe ich nur ein C2-Männchen ausgebrütet, das ich auch sehr schnell abgespeichert habe, und dann mit konvertierten C1-Norns weitergemacht. Entgegen meinen Befürchtungen behalten sie tatsächlich weitestgehend ihr altes Aussehen. Änderungen in den Farbschattierungen muß man allerdings in Kauf nehmen. Einer dieser Norns ist mir innerhalb kürzester Zeit ertrunken, weil er in einem unbewachten Moment ins Wasser gesprungen ist. Irritierenderweise sackt dabei weder die Energieanzeige (unten rechts) ab, noch taucht im Beobachtungsbaukasten eine Warnung auf. Da müßte man per Hand eintragen, ab welchem Erstickungswert man gerne eine Warnung erhalten möchte. Und woher soll ich wissen, ab welchem Wert es dramatisch wird?
Die beiden anderen Norns, Ada und Alec, schienen sich anfangs normal zu entwickeln. Mit über 2 Stunden war Ada dann allerdings immer noch in der Vorpubertät und machte keine Anstalten erwachsen zu werden, wohingegen Alec schon mit ca. zweieinhalb Stunden ergraute und zum "Oldie" wurde. Beide Norns hatte ich als Babys importiert. Inzwischen habe ich auch von vielen anderen gehört, daß sie dieselben Schwierigkeiten haben. Die Konvertierung ist demnach längst nicht problemlos. Positiv ist allerdings, daß die Originaldatei erhalten bleibt, so daß man den Norn in C1 weiterleben lassen kann, auch wenn er in C2 schon längst einen schnellen und unverdienten Tod gestorben ist.
Gut fand ich zumindest anfangs die Idee, daß man die Landschaft wirklich mit seinem Norn erkunden muß und nicht von Anfang an überall hin kann und über alle Baukästen verfügt. Das macht das ganze spannend, weil man immer wieder etwas neues entdeckt: seltsame Maschinen oder Terrarien, aus denen man z.B. bestimmte Insekten befreien kann.
Hilfreich ist der Umweltbaukasten, wo man auf der Karte nur auf eine bestimmte Stelle klicken braucht und schon ist man da. Vorausgesetzt, einer der Norns ist schon einmal dort gewesen.
Ärgerlich ist es jedoch, wenn einem ein Norn stirbt, nur weil man noch nicht den erweiterten Forschungsbaukasten gefunden hat. Insofern hat das ganze durchaus auch einen Haken.
Die Landschaft selber gefällt mir sehr gut, obwohl sie "gelackter" und unpersönlicher wirkt als die von C1. Dafür ist sie sehr viel größer und abwechslungsreicher. Andererseits muß man sich fragen, ob Albia wirklich so viele düstere und unheimliche Orte braucht, wie man sie hier finden kann. Was entschieden stört, ist das Aussehen einiger Tiere. Insbesondere der Hund, dessen Hütte im Vulkan in der Nähe des Grendels steht, und auch das Kaninchen, das im Garten am Wasserrad erscheint, wenn man dort einige Möhren aussät, sehen aus wie Plastikfiguren.
Ausgesprochen nervtötend ist das Vokabular, das die Kreaturen lernen müssen. Die Übersetzungen sind so schlecht, daß sie eigentlich nur aus einem absolut hirnlosen Computer stammen können: "rasten" für "schlafen", "Critter" für "Tier", "Gemeinepflanze" für "Giftpflanze", um nur ein paar der schlimmsten zu nennen. Andererseits scheinen die englischen Formulierungen auch nicht wesentlich besser zu sein.
Dazu kommt, daß die Norns alles andere als lerneifrig sind. Es ist schon ein Kunststück, sie dazu zu bringen, sich ein paar Minuten vor einem der beiden Computer aufzuhalten. Und ihr sehr viel umfangreicheres Vokabular als bei C1 müssen sie jetzt an zwei verschiedenen Computern sowie mit Hilfe der "Doozer", die auf der deutschen Verpackung als "Lemminge" bezeichnet werden, lernen. Diese kleinen Tierchen laufen überall in Albia herum. Wenn ein Norn sie auf den Bauch drückt, sagen sie ihm nach dem Zufallsprinzip irgendein Wort, das er dann damit gelernt hat. Viel Spaß haben die Norns auch, wenn ein Doozer ins Wasser fällt: mit schrillem Schrei katapultiert er sich dann gleich wieder heraus! Schade, daß man das Vokabular nicht mehr durch eigene Worteingaben im Computer abändern kann, denn viele Worte sind einfach zu lang. Bis ich: "Adam laß Gemeinercritter" eingegeben habe, hat der Norn in der Regel entweder die Fledermaus schon von selber losgelassen oder ist bereits gebissen worden.
In den nächsten Tagen machte ich auch noch die Erfahrung, daß man Norns in C2 kaum einmal alleine lassen kann, weil die Energieanzeige nicht verläßlich ist. Mehrfach sind mir Norns ins Koma gefallen (erkennbar an dem Sternenkranz, der sich plötzlich um ihren Kopf dreht, während sie zu schlafen scheinen), ohne daß ich eine Ursache dafür erkennen konnte. Und keiner meiner ersten Norns ist wesentlich älter geworden als drei Stunden. Ettins und Grendels werden in der Regel sogar nur zwei Stunden alt.
Was mich ausgesprochen geärgert hat, ist auch, daß es keinerlei Anleitung zum Bedienen diverser Maschinen wie des Gensplicers oder Getränke-Mixers gibt. Genausowenig wird einem mitgeteilt, was die verschiedenen Pflanzen und Tiere nun eigentlich bewirken. Als mein erster Norn sich mit Begeisterung auf die bunten Pilze stürzte, habe ich bald einen Herzinfarkt bekommen, weil ich dachte, deren Wirkung sei wie die von dem Fliegenpilz in C1. Stattdessen handelt es sich aber um eine äußerst nahrhafte Pflanze. Solche Unterschiede kann man zwar noch herausfinden, indem man mit der Hand über die Pflanze geht und nachschaut, ob sie als "Gemeinepflanze" bezeichnet wird oder nicht. Aber woher weiß ich z. B., welche Pflanzen bei welchen Erkrankungen helfen können?
Auch zu den sog. Baukästen gibt es keine vernünftige Anleitung. Was bedeutet es denn, wenn ein Norn plötzlich angeblich 0% Knochen hat? Welche Werte sind wichtig, welche weniger? Welche Veränderung von Werten hängt mit dem Alter zusammen, welche vielleicht mit einer falschen Ernährung oder einer Erkrankung?
Insgesamt hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, daß C2 eigentlich noch nicht fertig war, aber unbedingt termingerecht auf den Markt gebracht werden sollte. Somit reift das Produkt mal wieder beim Verbraucher. Es sei denn, der hat keinen Nerv dazu und schmeißt das Spiel gleich nach den ersten Stunden in den Müll . . .
Aber wozu gibt es Cheats? . . .

Yvonne
Plum