Beowolf - Mythos und Realität



"Beowolf" - oft auch "Beowulf" geschrieben - ist mit 3182 Langzeilen das umfangreichste altgermanische Heldenepos und das erste große Meisterwerk der englischen Literatur. Möglicherweise ist es schon im 5. Jahrhundert bei den Angelsachsen entstanden, also noch bevor sie England eroberten. Andere datieren das Werk eher ins 9. Jahrhundert. Das einzig erhaltene Manuskript stammt jedenfalls aus dem 11. Jahrhundert.

Der geistliche Verfasser erzählt in ihm in Stabreimen unter anderem, wie der Titelheld gegen das grauenhafte Meerungeheuer Grendel kämpft und schließlich den Sieg davonträgt.

Dieses Manuskript wurde durch einen Brand 1731 leider schwer beschädigt. Abschriften, die im späten 18. Jahrhundert gemacht wurden, belegen, wieviel von den damals noch erhaltenen Wörtern am verkohlten Blattrand inzwischen unwiderruflich abgebröckelt und verlorengegangen ist.

Seit dem 19. Jahrhundert versucht man, das verbliebene Fragment so gut wie möglich zu erhalten und zu konservieren. Um es trotz seiner Empfindlichkeit auch weiterhin Wissenschaftlern und interessierten Laien zugänglich machen zu können, entstand "The Electronic Beowulf Project" - eine riesige Datei mit digitalen Bildern des Beowolf-Manuskriptes, verwandter Handschriften und anderer Texte. Nähere Auskünfte dazu findet man in der British Library.

Beowolf wird als König der Geaten bezeichnet, weshalb man im allgemeinen davon ausgeht, daß er aus dem südlichen Schweden stammt. Er ist ein Held, "wie er im Buche steht": nicht nur, daß er über wahrhaft übermenschliche Kräfte verfügt, nein, ihm geht auch stets das Wohlergehen der anderen über das eigene und die Furcht vor dem Tod ist ihm fremd. Gleichzeitig ist er sich bewußt, daß nicht er, sondern das Schicksal sein Leben bestimmt, das damit gewissermaßen an einem seidenen Faden hängt. Doch er weiß auch, daß er immer ein Held, und damit im Gedächtnis der Menschen unsterblich, sein wird, im Leben wie im Tod.

Herausragende Episoden im Epos sind der Schwimmwettkampf gegen den jungen Brecca, den Beowolf nur deshalb verliert, weil er zuvor schon sieben Tage und Nächte durchgeschwommen ist, wobei er neun Meeresmonster tötete; der bereits erwähnte Kampf gegen Grendel und seine Mutter; und schließlich, nachdem er fünfzig Jahre in Frieden über sein Volk geherrscht hat, am Ende seiner Tage also, noch der Kampf gegen einen schrecklichen Drachen, der sein Volk tyrannisiert. Diesen kann er nicht mehr alleine besiegen. Sein junger Verwandter Wiglaf eilt ihm zu Hilfe und gemeinsam töten sie das Ungeheuer. Doch auch Beowolf wird dabei tödlich verletzt.

Grendel ist ein Monster, halb Mensch, halb Tier, das am Meer lebt. Zwölf Jahre lang tyrannisiert es die Dänen und ihren König, indem es immer wieder in die große Halle des Königs eindringt und dort dessen Gefolgsleute niedermetzelt. Schließlich wendet dieser sich an Beowolfs Onkel, der zu dieser Zeit noch die Geaten regiert. Er sendet den jungen Beowolf, den Dänen zu helfen - in diesen rauhen und kriegerischen Zeiten eine ungewöhnlich freundliche Geste. Der Held stellt sich dem Monster alleine und es entbrennt ein gewaltiger Kampf. Endlich gelingt es ihm, Grendel mit bloßen Händen den Arm auszureißen, so daß dieser verblutet. Nun will Grendels Mutter zornentbrannt Rache für ihren Sohn nehmen, doch auch sie wird von Beowolf überwunden, auch wenn er dafür immerhin Gottes Hilfe benötigt. Als seine eigenen Waffen versagen, verleiht ihm dieser ein Goldschwert, mit dem es ihm gelingt, das Monster zu enthaupten.

Soweit der Mythos. Im Vergleich zu dem dort beschriebenen grauenerregenden Monster wirken die Grendel aus Creatures 1 und 2 schon fast niedlich. Trotzdem hat Cyberlife versucht, sie uns als schleimige Schlägertypen und Bazillenträger zu verkaufen, und das mag auch den Österreicher Alexander Lämmle bewogen haben, den Namen des Grendelkillers als Nickname zu adoptieren. Tatsächlich finden sich in seinen Tools zu Creatures Funktionen wie "kill the grendel" und zu den Cobs, die er anfangs für Creatures gemacht hat, gehört auch die "Fruit of the Doom": wer diese Schicksalsfrucht verschlingt, der verschwindet im Nichts!

Also auch ein Grendelkiller? Mitnichten! Denn das, was Alexander Lämmle für Creatures an Tools geschaffen hat, geht weit über die Auseinandersetzung mit lästigen Grendels hinaus.

Zuerst sei hier der Borg erwähnt. Dieses Zusatzprogramm läßt man zusammen mit Creatures laufen. Es ermöglicht einem, bestimmte Chemikalien (zu denen auch z.B. die Antikörper gegen die verschiedenen albianischen Krankheiten gehören) zu injizieren, und zwar nicht nur in Norns, sondern auch in Grendel, die man über den Menüpunkt "Grendel" auswählen kann. Außerdem kann man den Grendel, wie bereits erwähnt, umbringen, aber auch exportieren, ein neues Grendel-Ei legen oder aber die Grendelmutter (ein schlauchartiges Gebilde im Grendelbaum) entfernen, so daß keine Grendel mehr entstehen können. Des weiteren kann man sich den aktuellen Status seiner Kreaturen anzeigen lassen oder auch den Spielstand (wieviele Eier, Todesfälle etc.) abfragen. Über "Darwin" lassen sich neue Welten schaffen oder die aktuelle Welt unter neuem Namen abspeichern, man kann unbegrenzt durch die Welt scrollen, einen männlichen oder weiblichen Norn nach dem Zufallsprinzip erschaffen oder den Kreaturen per Mausklick ein komplettes Standardvokabular beibringen. Außerdem kann man (was zu Testzwecken unter Umständen sinnvoll ist) einen Norn infizieren oder sogar töten. Wer mit Cheats arbeitet, hat das Problem, daß das Programm nicht mehr automatisch abspeichert. Borg bietet die Möglichkeit, die Speicherautomatik wieder zu aktivieren, wobei man sogar selber bestimmt, wie häufig gespeichert wird. Prinzipiell ist es sogar möglich, zwei Creatures-Fenster gleichzeitig zu haben, allerdings besteht dabei die Gefahr, daß das Programm abstürzt.

Holodoc ist eigentlich kein Tool, sondern ein Cob (=Creatures Object), das man importieren kann. Damit wird kontinuierlich die Gesundheit der im Spiel befindlichen Norns überprüft und im Notfall unterstützt. Dieses Teil eignet sich besonders für Leute, die gerne sogenannte "Wolfling Runs" machen, d.h. das Spiel mehrere Stunden laufen lassen, ohne einzugreifen. Im Optimalfall hat man ein "Survival of the Fittest": die widerstandsfähigsten Norns überleben und geben ihre bessere Genetik an die Jungen weiter. Im schlimmsten Fall ist Albia nach ein paar Stunden leer, weil sich die Norns z.B. eine besonders gefährliche Krankheit zugezogen haben, der sie alle innerhalb kürzester Zeit erlegen sind. Mit Holodoc wäre das nicht passiert . . .

Ganz wichtig ist natürlich auch der COE (= Creatures Object Editor). Über den Sprite Editor kann man eigene Bilder für Creatures entwerfen oder schon vorhandene abändern. Das ist z.B. wichtig, wenn man selber Cobs machen möchte. Man kann aber auch die Sprite-Dateien in BMP-Dateien umwandeln, was jeder zu schätzen weiß, der schon einmal versucht hat, seine Homepage mit Bildern aus Creatures zu dekorieren. Über den Cob Compiler kann man bereits vorhandene Cobs verändern (z.B. die Menge vergrößern oder Ablaufdaten verändern), aber auch eigenständig neue Cobs erstellen. Dazu sollte man sich allerdings ein wenig mit Macros auskennen. Diese Cobs können dann direkt vom COE in die Welt injiziert werden. Sollte sich das Produkt als unbrauchbar erweisen, kann man es wieder löschen. Es können auch direkt über Creatures Command Online Interface Befehle an Albia gesendet werden. Über den Sound Player lassen sich die WAV-Dateien von Creatures abhören. Es gibt eine vollständige Karte von Albia. Per Mausklick lassen sich die verschiedenen Cheats aktivieren. Neue Welten können geschaffen bzw. nach dem Abspeichern auch wieder zurückgesetzt werden. Außerdem gibt es zusätzliche Norneier, aber auch solche von Norn-Grendel-Mischlingen und reinrassigen Grendeln.

Eines der letzten Produkte aus Beowolfs "Alchemistenküche" war schließlich der Gen-Man, ein Programm, das, ähnlich dem Genetics Kit von Cyberlife, die Manipulation von Genen in Creatures 1 erlaubt.

Viele Fans von Beowolf und seinen Schöpfungen fragen sich inzwischen, wo er abgeblieben ist und wann er denn endlich einmal etwas für C2 entwickelt. Seine Creatures-Homepage auf Tekres ist down, was aber wohl am Server liegt. Er hat jedoch noch drei Pages, die es sich durchaus anzuschauen lohnt: eine bei AON und eine bei Geocities. Und seit neuestem findet man ihn, wenn auch mit ganz anderen Sachen, unter neuer Adresse wieder!

Die Hoffnung auf C2-Kreationen scheint allerdings vergebens. Eigenen Angaben zufolge ist Beowolf so frustriert von C2, daß er überhaupt keine Lust hat, in dieser Richtung etwas zu entwickeln. Hier einige Stimmen Betroffener dazu:

Allerdings hatte auch SteerPike, der schon für C1 fantastische Cobs entworfen hatte, anfangs C2 völlig abgelehnt, macht inzwischen jedoch, zwar zögerlich, aber immerhin, dafür vergleichbares. Wer weiß: vielleicht überlegt Beowolf es sich ja noch einmal?



Yvonne Plum

Zu BeowolfsSchatzkästchen . . .