600 Jahre Kölner Brau-Kultur 1396-1996



Wer hätte das gedacht? Der erste schriftliche Beleg über Biergenuß in Köln hat einen traurigen Anlaß. Irgendwann gegen Ende des 11. Jahrhunderts muß es gewesen sein, als zwölf Männer die Totenwacht für einen verstorbenen Erzbischof hielten und dafür neben Brot und Speck reichlich mit goldenem Gerstensaft entlohnt wurden. Dabei handelte es sich um Almosenempfänger im Hospital bei St. Lupus an der Trankgasse, am heutigen Bahnhofsvorplatz. Glaubt man dem Dokument, durften sich die Lupusbrüder täglich einen halben Ohm Bier teilen. Und das bedeutete: Jeder von ihnen schluckte pro Tag mehr als 5,5 Liter Bier! So unsicher auch die damalige Umrechnung von Ohm in Liter ist, so sicher ist diese Totenwacht-Geschichte das älteste Kölner Bier-Dokument.

Jubiläumssignet

Seit 600 Jahren besteht die St. Peter von Mailand Bruderschaft. Die Vereinigung sieht sich als religiöse Gemeinschaft im Kölner Brauerei-Verband und schlägt somit die Brücke zwischen Kölsch und Kirche. Wie andere Handwerkergruppen, die sich im Mittelalter zu Bruderschaften zusammenschlossen, erkoren sich auch die Brauer einen Heiligen als Schutzpatron.

St.Petrus von MailandIn Köln war er nie gewesen, Kölsch hat er demzufolge nie probieren können - und dennoch ist der legendäre Petrus von Mailand ein Ur-Kölner. Für die echten Kölsch-Kenner ist er nicht nur ein Heiliger unter vielen, sondern der wichtigste Schutzpatron der Domstadt überhaupt. Angerufen wurde er damals in erster Linie zum Schutz vor Unwetterschäden, und das war eine gute Voraussetzung für einen Brauer-Heiligen, fürchteten doch die Brauherren immer wieder verregnete Hopfen- und Gerstenernten. Wie der Dominikanermönch aus Verona (1205-1251) schließlich zu der Ehre gelangte, Brauerpatron zu werden, läßt sich heute nur noch vermuten. Fest steht, daß St. Peter als Kirchenlehrer und Diplomat sehr populär war und sein Dominikanerorden in Köln großen Einfluß hatte. Wer weiß, vielleicht waren es die Dominikaner, die "ihren Peter" vorschlugen. Wie auch immer: Der Überlieferung nach wurde Petrus von Mailand auf einer Mission 1252 in Farga bei Como von zwei Ketzern durch einen Schwertstoß in den Kopf ermordet, ein Jahr später von Papst Innozenz IV. heiliggesprochen und 1396 zum Schutzpatron der Kölner Bruderschaft ausgewählt. Das Brauerbanner der St. Peter von Mailand Bruderschaft zeigt den Märtyrer traditionsgemäß mit einem Schwert in der linken Hand.

Die enge Verbindung zwischen Kölsch und Kirche wundert kaum, bedenkt man die schwierige Situation von Stadt und Brauern im Jahr 1396. Ein tüchtiger Schutzpatron war vonnöten. Die Macht der Patrizier war zerbrochen, die Zünfte übernahmen die Herrschaft und unterzeichneten den Verbundbrief, der als erste demokratische Verfassung Deutschlands in die Geschichte einging. Die St. Peter von Mailand Bruderschaft gründete sich neben Zunft und Gaffel und hatte viel zu regeln. Es galt, die ungeliebte Konkurrenz auszuschalten, denn neben den privaten Bierherstellern (in fast jedem Haushalt) kamen die Niederländer und verhökerten ihr billiges Bier auf Rheinschiffen. Wie Dokumente belegen, herrschten auch innerhalb der Bruderschaft strenge Regeln. Wer im Jahre 1603 zum Treffen im Zunfthaus zu spät kam, mußte einen Schilling berappen, und wer zum Patronatsfest erst gar nicht erschien, hatte ein halbes Pfund Kerzenwachs abzuliefern.

ZappesStrenge Sitten. Aber auch in Sachen Bier machten die Brauer keine Kompromisse. Als Herzog Wilhelm IV. aus Bayern 1516 das Reinheitsgebot verkündete, war das für die Kölner längst nichts Neues mehr. Sie hatten die Zutaten schon ein Jahrhundert vorher festgesetzt: Hopfen, Malz und Wasser. Was macht nun das Kölsch der Kölschen aus? Die Experten drücken es so aus: Kölsch ist ein obergäriges Bier, wie das Alt und das Weizenbier, nur Kölsch ist gleichzeitig hell. Kölsch ist ein helles, hochvergorenes, hopfenbetontes, blankes Vollbier. Doch wenn auch heute zu einem Besuch in Köln mindestens ein Kölsch aus der "Stange" dazugehört - den Siegeszug trat das "Nationalgetränk" erst nach dem Zweiten Weltkrieg an. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts war es nur bei den Kennern beliebt. Knappe Rohstoffe wirkten sich auf den Kölsch-Genuß aus. Das Bier wurde immer dünner. Und das wirkte sich auf den Geschmack des obergärigen Kölschs wegen seines geringen Kohlensäuregehaltes besonders aus. Das Kölsch kämpfte gegen seinen schlechten Ruf, während fremde Markenbiere aus der Umgebung und auch aus Bayern über die Theke gingen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging's bergauf. Das Motto hieß: Kölsch ist würziger als Export, aber nicht so bitter wie Pils. Der Höhenflug hielt einige Jahrzehnte an, aber seit ein paar Jahren haben auch die Kölsch-Brauer unter dem bundesweit sinkenden Bierkonsum zu leiden. Produzierten sie 1990 zusammen noch 3,6 Millionen Hektoliter Kölsch, waren es 1995 nur noch knapp drei Millionen. Umgerechnet ergibt das jedoch immer noch nicht weniger als 1,5 Milliarden Gläser Kölsch jährlich. Eine stolze Menge.

Die Kölner sind eben nicht nur stolz auf ihr Kölsch, sondern auch auf den vergleichsweise recht hohen Konsum. Einer Übersicht des Jahres 1907 zufolge wurden in Köln knapp über 80 Millionen Liter Bier pro Jahr verbraucht - das waren pro Kopf 175 Liter und damit 50 Liter mehr als im Reichsdurchschnitt!
Na, dann passen die zwölf Totenwächter mit ihren 5,5 Litern am Tag ja gut ins Bild der Kölschen Brau-Kultur...





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